Rezension: Tierethik – Der Comic zur Debatte

Rezension: Tierethik – Der Comic zur Debatte

Tierethik –  Der Comic zur DebatteMit dem Sach-Comic Tierethik – Der Comic zur Debatte, der als Einführung in das Thema dienen soll, ist der Autorin Julia Kockel und dem Illustratoren Oliver Hahn ein Rundumschlag gelungen.

Das lebendig illustrierte Buch führt die Leser_innen von den Anfängen der Tierethik bis zur Entstehung der heutigen Tierrechts- bzw. Tierbefreiungsbewegung (inkl. des ethischen und politischen Veganismus).  Verschiedene philosophische Konzepte werden zu Anfang des Buches gut kontextualisiert und auch für auf dem Gebiet unbewanderte Leser_innen verständlich erklärt. Danach werden in historisch korrekter Reihenfolge die Positionen verschiedener Philosoph_innen zu den zentralen Fragen der Debatte erläutert und diskutiert.

Historie der Tierethik

Die Anfänge der Tierethik von Pythagoras über Aristoteles bis zu den Stoikern sind besonders interessant und vermutlich den wenigsten Leser_innen bekannt.
Großen Raum wird der Mitleidsethik nach Schopenhauer und dem Utilitarismus nach Mill und Bentham gegeben. Auch Kritiker und Gegner einer Einbeziehung der nichtmenschlichen Tiere in die Ethik kommen ausreichend zu Wort, zum Beispiel Thomas von Aquin oder Descartes, der Tiere nur als willenlose Maschinen sah und ihr Geschrei mit dem Quietschen einer Maschine verglich.
Ein besonderer Fokus wird im Mittelteil auf die “modernen” Philosophen der Tierethik gelegt. Die Theorien von Singer, welche gemeinsam mit dem Buch “Animal Liberation”, den Anfang der modernen Tierrechtsbewegung ebneten, werden dabei sehr kritisch betrachtet.

Tierethik – Der Comic zur Debatte: Leidensfähigkeit

Tierschutz, Tierrecht, Tierbefreiung

Doch nicht nur auf der Meta-Ebene werden die eigentlichen Ansätze der veganen Bewegung diskutiert. Es wird auch direkt die Frage gestellt, wie die heutige vegane Bewegung handelt und wie sie in ethischer Hinsicht handeln sollte. Was hat es mit dem “Smoothie-Hype” auf sich? Ist es sinnvoll, als Veganer_in Unternehmen zu unterstützen, die sowohl vegane Produkte als auch tote Tiere verkaufen?
Auch die “Hauptsache für die Tiere”-Problematik wird thematisiert, also die Haltung, dass für Tiere jedes Mittel recht sei. Aber was haben Nazis in der Tierrechtsszene zu suchen? Darf man Menschenrechte gegen Tierrechte austauschen? Darf der Holocaust instrumentalisiert werden?

Die Entwicklung der Tierrechtsbewegung als “Direct Action” enthält spannende Erzählungen über die Anfänge der britischen Tierrechtsbewegung, wie zum Beispiel den Old Brown Dog Riots oder die Gründung der ALF.
Die unterschiedlichen Ansätze von Tierschutz, Tierrecht und Tierbefreiung werden aufgezeigt, und die rechtlichen Grenzüberschreitungen, wie z.B. Stallrecherchen oder Tierbefreiungen, werden besprochen.

Tierethik – Der Comic: Ökotierhaltung

Auch die Gegenargumente von Antiveganer_innen werden behandelt und oft ironisch illustriert widerlegt. Die Comicfiguren (eine davon hat frappierende Ähnlichkeit mit einem berüchtigten Lebensmittelchemiker) konfrontieren sich gegenseitig mit bekannten “Bingo-Fragen”, wie die Sorge um die Gefühle der Pflanzenwelt, ob das “bio”-Siegel für die Ethik nicht ausreicht oder, ob man nicht einfach “alles essen” könne, “außer vegetarisch”.
Im Abschnitt der angewandten Tierethik finden dann auch Themen wie Tierversuche und Zoo und Zirkus einen Platz. Am Schluss werden die Grenzen der philosophischen Debatte besprochen. Widerspricht der Antispeziesismus dem Humanismus? Setzt der Mensch sich selber herab, wenn er Tieren Rechte gibt? Müssen wir Raubtieren das Jagen verbieten, würden wir Tierrechte konsequent umsetzen? Wo liegen die Grenzen der Gerechtigkeit?

Im Anhang finden sich Empfehlungen für weiterführende Literatur, für verschiedene Online-Portale, Quellenverweise und ein ausführlicher Index.

Fazit

Alles in allem ist das Buch sowohl für Einsteiger_innen, als auch für Aktive der Bewegung zu empfehlen. Trotz der ungewöhnlichen Form des Sachbuches schaffen es Kockel und Hahn, sachlich fundiert viele verschiedene Inhalte verständlich zu vermitteln. Die Zeichnungen wirken dem sogar bei. Die eigentlich komplizierte Materie wird auch dem uninformierten Leser klar.
Obendrein wurde das Buch komplett vegan gedruckt!
Volle Empfehlung!

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