Adventskalender „Don’t go Pollmer!“ Tür 9: „Olé, olé, olé: Der Stierkampf sollte verboten werden”

Adventskalender „Don’t go Pollmer!“ Tür 9: „Olé, olé, olé: Der Stierkampf sollte verboten werden”

Kurzzusammenfassung:

In diesem Kapitel argumentieren die Autoren tatsächlich, dass der Stierkampf eines der stärksten feministischen Rituale wäre. „Der Kampf zeigt den Sieg der zierlichen Frau über den ungestümen Mann: Sie stachelt ihn immer wieder aufs Neue an, zeigt ihren schön gekleideten, verführerischen Körper, um diesen gleich wieder zu verhüllen. Schließlich wird der Stier besiegt, seine wilde Männlichkeit den sozialen Regeln der Frau unterworfen!“ Doch lest mehr im neusten Teil unseres Adventskalenders.

Ihr wisst nicht worum es geht? Hier geht es zur Einleitung und hier geht es zur sechsten Tür des Kalenders „Blick in den Spiegel: Vom Leid der Massenkinderhaltung!„.

Olé, olé, olé: Der Stierkampf sollte verboten werden

Und wenn sie nicht gestorben sind…

Als nächstes widmen sich die Autoren dem Stierkampf, der als ein „religiöses Ritual“ ähnlich dem „Oberammergauer Passionsspiel“ bezeichnet wird. Allerdings ohne Auferstehung. Die Autoren tun damit ganz so, als wäre dies irgendeine Rechtfertigung. Rituale kann es viele geben, das sagt eben nichts darüber aus, ob etwas schützenswert ist. Jedes Jahr an den Ballermann fahren und sich besinnungslos saufen, kann auch ritualisiert sein. Und hier wird sogar oft wieder auferstanden. Das macht es nicht schützenswert.
Es geht aber schlimmer, denn der Stierkampf sei zugleich „eines der stärksten feministischen Symbole“. Kurze Pause, um das zu verarbeiten. Erklärt wird das dann mittels sexistischer Begriffe und Zuschreibungen, denn der Kampf zeige den Sieg der „zierlichen Frau über den ungestümen Mann“, den sie immer wieder aufs neue anstachele, indem sie ihm ihren „schön gekleideten, verführerischen Körper“ zeige. Der Stier werde schließlich besiegt und seine „wilde Männlichkeit den sozialen Regeln der Frau unterworfen“. Nochmal Pause. Das muss sich erst einmal setzen. Nicht nur, dass hier gerade der Feminismus für eine Herrschaftsideologie missbraucht werden soll, es wird auch noch eine zutiefst sexistische Umschreibung, die lediglich männliche Fantasien des Weiblichen reproduziert, als feministisch verkauft. Damit offenbaren die Autoren wenigstens eins: auch vom Feminismus haben sie keine Ahnung.

Stierkampf – ein unwürdiges und grausames Ritual.
Laut Pollmer, Keckl und Alfs ein feministischer Akt: Stierkampf

So schön der Sinn aber nun sei, er bleibe den Touristen verborgen. Für die Antwort auf die Frage, wieso dann aber dieser Sinn als Argument tauge, wenn den sowieso keiner kennt und auch nichts dafür getan wird, diesen zu verbreiten, muss dann wohl die eigene Fantasie bemüht werden.

Hat man sich davon erholt, so wird die „Argumentation“ damit fortgesetzt, dass der Stier auch eigentlich gar nicht leide, denn sein Leben entspräche ja den Vorstellungen der Tierschützer*innen. Richtig, der Tierschützer*innen, wenn überhaupt. Dabei übersehen die Autoren mal eben, dass nicht nur Tierschützer*innen gegen den Stierkampf sind. Die Verachtung des Stierkampfes durchzieht alle Lager. Das hat einen Grund: Der Stierkampf ist ein zur Schau getragenes Symbol der Unterwerfung der Tiere. Hier tritt der furchtbare Charakter des Umgangs mit Tieren offen zu Tage. Klar, es sterben viel mehr Tiere in der Massentierhaltung – und welcher „Omni” spricht sich nicht auch gegen diese aus? – aber dieses Sterben ist unsichtbar, wird als notwendiges Übel angesehen, wird nicht zelebriert. Beim Stierkampf sieht das ganz anders aus: Hier werden Tod und Qual des Tieres zu einem Fest. Und mindestens dies sollte in den Augen der längst überwunden sein.
Aber selbst wenn dem nicht so wäre, würde es für die „Argumentation” des Buches keinen Sinn machen, denn es geht doch in dem Buch gar nicht um Tierschutz, sondern um Veganismus, bzw. Vegetarismus und damit um tierrechtliche Ansätze, die nicht einfach nur das Wohl des Tieres im Rahmen von dessen Nutzung durch den Menschen und begrenzt durch diesen im Blick haben, sondern allgemein die Frage, welche Rechte und Berücksichtigungen dem Tier durch den Menschen ethisch begründet zukommen müssen. Und diesen Ansätzen entspricht der Stierkampf an sich eben generell nicht.

Solange es nun aber soweit sei, soll nun aber alles gut sein, denn erst in der Arena ändere sich der Status des Stieres. Ein schönes Leben rechtfertigt also einen grausamen Tod, der natürlich trotz seiner Grausamkeit immer noch besser sei, als in der „Wildnis“. Langsam aufgespießt werden ist den Autoren also angenehmer als gefressen zu werden. Das verwundert angesichts der immer wieder auftauchenden Gleichsetzung von Leid in anderen Kapiteln. Ignoriert wird auch, dass in jener „Wildnis“ durchaus auch Tiere an Altersschwäche sterben und ganz andere Bewegungsfreiheiten und Entfaltungsmöglichkeiten haben. Ebenso wird die Problematik des instrumentellen Charakters erneut ignoriert. Nehmen wir zur Verdeutlichung einmal das populäre Bild des Gladiators. Auch diesem geht es besser als manch einem anderen. Ein Sklave bleibt er trotzdem und das ist das Problem.

Letztlich wird erneut der Unterschied zwischen moralischen Subjekten und Objekten übersehen, zwischen Verantwortlichkeiten, aktivem und passivem Handeln, um es möglichst einfach zu halten, nur leider eben auch völlig verzerrt und falsch.
Die Krönung ist dann aber, dem Stier ja die Möglichkeit zuzusprechen, gewinnen zu können. Aber was bitte bringt ihm das? Glauben die Autoren ernsthaft, dass die Stiere danach den Rest ihre Lebens in Frieden und Luxus zubringen würden? Leider ganz im Gegenteil. Sie müssen trotzdem sterben.
Die menschenverachtende Art und Weise zeigt sich dann hierbei auch wieder. Denn dass bei einem solchen Sieg ein Mensch stirbt, ist den Autoren scheinbar egal, denn immerhin verkaufen sie das als positives Argument für den Stierkampf, das das Leid des Stieres relativieren soll.
All das ginge ja verloren, würde man dieses Ritual abschaffen. Ein paar Tote im Sinne der Tradition muss und kann es für die Autoren wohl schon geben.
Und für die Stiere würde es ohnehin nichts ändern, denn die gleiche Anzahl an Stieren würde in diesem Fall regulär gezüchtet werden, da das Kampfstierfleisch ja so begehrt sei. Neben der Gleichsetzung des Interesses an Kampfstier- und Rindfleisch, übersehen die Autoren auch hier, dass es Veganern und Tierrechtlern ja nicht darum geht, nur den Stierkampf zu beenden. Das mag auch der Grund sein, warum man hier möglichst unauffällig von Tierschützern spricht, damit dieser Einwand überhaupt den Anschein von Sinn machen könne.

Was ist nun das Fazit dieses Kapitels? Fantasie ist in der Tat nichts, was den Autoren fehlen würde, nur leider die Möglichkeit etwas zu denken, das außerhalb ihres eingeschränkten Weltbildes existiert.

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